Vernissage am 15. Dezember im Kunstmuseum Heidenheim

Rainer Domberg .Martin Wittmann. Dr. Rene Hirner

KULTUR Rubrik 'Lokales aus Heidenheim' - HZ - 16.12.2007
„Weit gespannter Horizont“

Ruth und Martin Wittmann schenken der Stadt ihre Kunstsammlung

 
Die Kunstsammlung des Heidenheimer Ehepaares Ruth und Martin Wittmann zeige einen „weit gespannten Horizont gegenständlicher Darstellungsformen im Medium des Holzschnittes auf“, fasste der Heidenheimer Museumsleiter Dr. René Hirner gestern bei der Ausstellungseröffnung zusammen. Diese Bilder von HAP Grieshaber, Detlef Willand, Michael Hofmann und anderen sind nicht nur seit gestern im Kunstmuseum Heidenheim zu sehen, sondern wurden von den Besitzern als Stiftung an die Stadt Heidenheim übergeben. „Neu und einmalig“ sei die Schenkung einer ganzen Sammlung marktfähiger Kunst für die Stadt Heidenheim, sagte Bürgermeister Rainer Domberg bei der Vernissage, und bedankte sich im Namen der Stadt bei den großzügigen Gebern.

Inmitten von 142 farbenprächtigen Holzschnitten hatte die Ausstellungseröffnung gestern Nachmittag großen Zulauf von vielen Kunstfreunden. Die ausgestellten Werke sind der qualitativ bedeutendste Teil der insgesamt über 500 Druckgraphiken und 30 illustrierte Bücher umfassenden Sammlung. Rund um HAP Grieshabers 40 Bilder umfassenden Zyklus zum „Totentanz von Basel“ gruppieren sich weitere Werke des Reutlinger Künstlers, Holzschnitte des in Heidenheim geborenen Detlef Willand (Jahrgang 1935), der im Kleinen Walsertal lebt, und Bilder von Michael Hofmann aus Radebeul. Allen gemeinsam ist das Medium des Holzschnitts, das von Grieshaber nach 1945 neu belebt wurde.

Eine Hommage an diese Kunstform war dann auch die Ansprache von Martin Wittmann selbst, der die geistige Kraft des Holzschnitzers in den Vordergrund stellte, die von Maschinen nicht zu leisten sei. Wittmann beschrieb auch den Weg, der ihn und seine Frau zur Kunst geführt hat, und das Entstehen der Sammlung. Blatt um Blatt habe man erworben, an eine Sammlung haben die beiden Kunstliebhaber dabei nicht gedacht. Erst nach einem Unfall im Jahr 2004 kam Wittmann dazu, die Sammlung zu sichten und zu katalogisieren.
  „Die Sammlung soll beisammen bleiben“, diesen Wunsch nannte Wittmann als wichtigsten Grund für die Entscheidung, die Blätter als Schenkung einem Museum zu vermachen. Und anders als sein Altersgenosse und Schulfreund Alfred Gunzenhauser, der seine Sammlung – darin Werke von Otto Dix, Max Beckmann oder Paula Modersohn-Becker – der Stadt Chemnitz übereignet hat, entschied sich Wittmann für seine Heimatstadt. Mit der Sammlung Gunzenhauser wären die Stadt und das Heidenheimer Publikum überfordert gewesen, meinte Wittmann.

Damit die Holzschnittsammlung nicht im Fundus des Kunstmuseums verschwindet, haben die Kunststifter vertraglich festgelegt, dass Teile der Sammlung alle sieben Jahre ausgestellt werden müssen. Noch schöner wären natürlich dauerhafte Ausstellungsplätze im ehemaligen Stadtbad: Dies, so Museumsleiter Hirner, rücke in greifbare Nähe, sobald sich das achtjährige Gymnasium auf alle Altersstufen erstrecke und das benachbarte Hellenstein-Gymnasium die belegten Räume freigeben könne.

Silja Kummer

Die Ausstellung „Grieshaber & Co.“ ist bis zum 10. Februar 2008 im Kunstmuseum Heidenheim (Marienstr.4) zu sehen. Weitere Informationen:
www.kunstmuseum-heidenheim.de.
     

.
Eine Kunstsammlung für Heidenheim: Ruth (re.) und Martin (2.v.li.) Wittmann stiften ihre Holzschnittsammlung mit Werken von HAP Grieshaber, Detlef Willand (3. v. li.) und Michael Hofmann (2. v. re.) der Stadt, gestern vertreten durch Bürgermeister Rainer Domberg (li.) Foto: ube